Mythen über Piercings, an die viele immer noch glauben
Warum entstehen sie, was ist wahr und was sollte man besser gleich vergessen?
Piercings sind heutzutage ein weit verbreitetes Accessoire. Trotzdem kursieren immer noch erstaunlich viele Halbwahrheiten, Horrorgeschichten und Internetmythen darüber. Tätowierer und Piercer befinden sich oft in derselben Situation: Sie erklären immer wieder dieselben Mythen. Lasst uns das mal klarstellen – professionell, aber menschlich und mit einer Prise Humor.
Mythen über Piercings, an die viele immer noch glauben
Mythos Nr. 1: „Piercings heilen schnell, weil es ja nur ein kleines Loch ist.“
Von wegen!
Die Realität ist einfach: Was von außen wie ein kleines Loch aussieht, ist im Inneren ein weicher Gewebekanal, der Zeit, Ruhe und die richtige Pflege braucht.
• Ohrläppchen: 6–8 Wochen
• Knorpel: 3–9 Monate
• Bauchnabel: ebenfalls 6–12 Monate
Und ja, Knorpel ist kein Freund, besonders wenn er durch Kopfhörer, Helm oder mangelnde Pflege stark beansprucht wird.
Wie sieht es mit Brustwarzen- oder Intimpiercings aus?
An diesen Stellen gilt doppelt: Ein „kleines Loch“ bedeutet keineswegs schnelle Heilung.
• Brustwarze: Empfindliches Gewebe + Reibung = 6–12 Monate Pflege.
• Genitalpiercings: Eine bessere Durchblutung ist hilfreich, aber Feuchtigkeit, Reibung und Hygiene entscheiden über einen reibungslosen Heilungsprozess.
Mythos Nr. 2: „Wenn ich es mit Alkohol desinfiziere, heilt es schneller.“
Ein fataler Irrtum!
Alkohol, Wasserstoffperoxid und Permanganat reizen das Gewebe und verlangsamen so die Heilung.
Experten empfehlen:
• sterile Kochsalzlösung,
• sanfte Reinigung,
• Schmuck nicht drehen (wirklich nicht, nicht einmal „nur einmal am Tag“).
Hautzellen sind nicht gepanzert. Bei Reizung reagieren sie mit verlangsamter Regeneration.
Was fördert die Heilung wirklich?
1. Sanfte Reinigung ohne Reizung
Kochsalzlösungen sind für die Heilung von Piercings unerlässlich.
• Proton Piercing Aftercare Kochsalzlösung

Diese Produkte helfen, das Piercing sauber zu halten, ohne die Haut auszutrocknen oder zu reizen.
2. Kühlung und Beruhigung der gereizten Stelle
Besonders bei Brustwarzen-, Bauchnabel- und Intimpiercings können die ersten Tage angenehm sein:
Reduziert Schwellungen, Rötungen und Gewebespannung.
Mythos Nr. 3: „Wenn es Eiter ist, muss man ihn ausdrücken.“
Nein. Nein. Und noch einmal: Nein. Was Kundinnen und Kunden oft als „Eiter“ bezeichnen, ist Lymphe – ein normaler, natürlicher Bestandteil des Heilungsprozesses.
Echte Infektion:
• starke Rötung,
• Wärme,
• pochende Schmerzen,
• dickflüssiges, grünlich-gelbes Sekret.
Und nein, Ausdrücken hilft nicht…
Mythos Nr. 4: „Nasenpiercings heilen schnell, weil sie klein sind.“
Die Nase ist ein Bakterienparadies. Man muss nur niesen, sich mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fassen, auf der falschen Seite schlafen… und schon hat man eine unschöne Entzündung.
Besonders bei Nasen- und Septumpiercings ist es wichtig, den Schmuck nicht zu früh zu vergrößern und nicht einfach neuen Schmuck einzusetzen, nur weil er „mir schon gut vorkommt“.

Mythos Nr. 5: „Wenn ich es mit Make-up verdecke, sieht es niemand.“
Make-up + frisches Piercing = Frühwarnzeichen für Komplikationen.
Produkte verstopfen die Wunde, schließen Bakterien ein und schaffen Bedingungen für Reizungen oder sogar Infektionen. Expertenmeinung: Die Haut atmen lassen, nicht zu viel Schmuck tragen, nichts abdecken.
Mythos Nr. 6: „Ein Piercing aus Chirurgenstahl ist immer sicher.“
Auch hier ist es nicht ganz so einfach.
Chirurgenstahl enthält eine geringe Menge Nickel. Für die meisten Menschen ist das kein Problem, aber bei empfindlicher Haut kann es zu Reaktionen kommen.
Daher sind für das erste Einsetzen oft folgende Materialien besser geeignet:
• Labret aus Titan,
• hochwertiger Biokunststoff.
Der Schmuck ist die Basis. Wird das Material unterschätzt, ist alles andere nur Improvisation.
Mythos Nr. 7: „Ich brauche nur einen Freund, der mir das zu Hause macht.“
Das braucht keine lange Erklärung: Piercing ist kein Projekt für Heimwerker. Sterilität, der richtige Winkel, eine Nadel statt einer Pistole, die richtige Größe des Schmucks – all das lässt sich nicht im Wohnzimmer umsetzen.
Sie wollen Ihren Kunden nicht immer wieder dieselben Mythen erklären?
Teilen Sie diesen Artikel und erleichtern Sie sich das Leben. (Und vielleicht bewahren Sie so manche Ohrloch-Katastrophe vor einem Desaster.)
Peace and Love.


